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Prostatakrebs

Die Prostata ist eine kleine Drüse im männlichen Fortpflanzungssystem. Sie hat ungefähr die Größe einer Walnuss und befindet sich im männlichen Körper direkt unter der Blase. Die Harnröhre führt durch sie hindurch. Die Prostata produziert die Samenflüssigkeit, welche den Samen während der Ejakulation transportiert.

Risikofaktoren für Prostatakrebs

Prostatakrebs ist der am häufigsten diagnostizierte Krebs bei Männern über 65 Jahren, kann aber auch bei jüngeren Männern auftreten. Es wird geschätzt, dass bei jedem sechsten Mann im Laufe seines Lebens Prostatakrebs diagnostiziert wird. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Inzidenz rapide zugenommen und ist heute die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Westeuropa. Es ist unklar, warum dies der Fall ist, aber es könnte an einem verbesserten Screening auf die Krankheit liegen. Dies ist ein Vorteil, nicht nur wenn es um frühzeitige Intervention, Wahl der Behandlung und die langfristige Überlebensrate geht. Sondern können auch, falls der Tumor über die Drüse hinaus wächst, neue Methoden zur Diagnostik und Therapie die Heilungschancen erhöhen.  

Ursachen von Prostatakrebs

Prostatakrebs tritt auf, wenn Zellen in der Prostata außer Kontrolle geraten. Diese sich vermehrenden Zellen können einen Tumor in der Drüse bilden oder sich auf andere Körperteile ausbreiten (metastasieren). Es dauert normalerweise Jahre, bis sich Prostatakrebs entwickelt, bevor er groß genug ist, um erkannt zu werden.

Vorsorgeuntersuchung

Die frühzeitige Erkennung eines Prostatakrebses ist für den rechtzeitigen Beginn einer angemessenen Behandlung und Heilung sehr wichtig. Solange der Krebs auf die Prostata begrenzt bleibt, sind die Chancen für eine komplette Beseitigung des Tumors und damit Heilung des Patienten hoch. Sobald der Tumor jedoch über die Drüse hinaus wächst, gestaltet sich die Behandlung schwieriger.

Im Allgemeinen wird Männern ab einem bestimmten Alter empfohlen, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei einem Urologen durchführen zu lassen. In Großbritannien und Spanien werden diese jährlichen Kontrollen für Männer ab 50 Jahren empfohlen, falls in der Familienhistorie kein Prostatakrebsfall aufgetreten ist.  In Deutschland sowie in Frankreich wird eine jährliche Untersuchung  ab dem 45. Lebensjahr vorgeschlagen.

Für nähere Informationen und Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder Urologen.

Diagnose

Um eine hohe diagnostische Sicherheit zu erzielen, werden normalerweise verschiedene Untersuchungsmethoden miteinander kombiniert:

Prostataspezifisches Antigen (PSA) Test

Das PSA ist ein Eiweiß, welches von Zellen in der Prostata gebildet wird. Seine Konzentration im menschlichen Blut wird durch einen PSA Test ermittelt. Der Wert bei gesunden Männern ist relativ gering, während ein erhöhter Wert auf eine abnormale Situation in der Prostata hinweisen kann. Eine  erhöhte Konzentration weist aber nicht in jedem Fall auf einen Prostatakrebs hin, sondern könnte  auch das Ergebnis einer gutartigen Vergrößerung der Prostata sein. Es wird empfohlen, bei erhöhten PSA Werten weitere Untersuchungen durchführen zu lassen.

Digitale rektale Untersuchung (DRU)

Bei einer DRU wird die Prostata mit dem Finger durch das Rektum abgetastet. Hierbei wird der Finger unter Verwendung von Einmalhandschuhen und eines Gleitgels in den After eingeführt. Durch die Nähe der Prostata zur Rektalwand können Veränderungen der Prostatadrüse ab einer gewissen Größe und in einer bestimmten Lage ertastet werden. Um falsch-negative oder falsch-positive Ergebnisse auszuschließen, wird die DRU häufig in Kombination mit dem PSA Test durchgeführt.

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Hierbei kann mit Hilfe einer über das Rektum eingeführten transrektalen Ultraschallsonde die Prostata auf einem Ultraschallgerät visualisiert werden. Die TRUS Untersuchung gibt dem Arzt einen präzisen Überblick über die Drüse und ermöglicht eine genauere Analyse.

Biopsie und Gleason-Score

Bei einer Biopsie werden mit Hilfe spezieller Nadeln kleine Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Das entnommene Gewebe wird mikroskopisch untersucht und nach der sogenannten Gleason Skala (von 2 bis 10) kategorisiert. Der Gleason-Score dient als Messgröße für die histologische Unterscheidung zwischen Tumorzellen und normalen Zellen und beschreibt die Aggressivität des Tumors. Eine Biopsie ist die einzige Diagnosemöglichkeit, die eine gesicherte Aussage über das Vorliegen eines Prostatakrebs zulässt.

Behandlungsoptionen

Behandlungsoption 1: Permanente Brachytherapie – Seed-Implantation 
Die permanente Brachytherapie ist die schonendste Behandlungsmethode für Prostatakrebs im Frühstadium. Ihre internationale Bedeutung ist seit den frühen 90er Jahren stetig angewachsen. Bei einer Seed-Implantation werden kleine, radioaktive Jod-125 Quellen (mit einer Länge von 4,5 mm und einem Durchmesser von 0,8 mm), sogenannte Seeds, in die Prostata implantiert. Jedes Seed gibt eine spezifische niedrige Strahlendosis an sein umliegendes Gewebe ab. Durch die gezielte Platzierung der einzelnen Seeds innerhalb der Prostata wird dafür gesorgt, dass die komplette Drüse mit der gewünschten Strahlendosis abgedeckt wird und somit die tumorösen Zellen zerstört werden. An die Prostata angrenzendes Gewebe wird bei dieser Behandlung besonders geschont, da der Strahlungsherd auf einen kleinen Umkreis um die einzelnen Seeds innerhalb der Prostata begrenzt ist.

Ablauf einer Seed-Implantation:

  • Der Patient wird anästhesiert. Eine Ultraschallsonde wird rektal eingeführt.
  • Anhand des Ultraschallbilds ermittelt ein Therapieplanungssystem die exakte Anzahl der benötigten Seeds sowie ihre genaue Position innerhalb der Prostata. Hierbei wird eine optimale Dosisverteilung und eine minimale Belastung des umliegenden Gewebes und der Risikoorgane durch Strahlung garantiert.
  • Der behandelnde Arzt führt die Implantationsnadeln in die Prostata ein und legt durch diese die Seeds ab. Die optimale Positionierung der einzelnen Seeds wird gleichzeitig mit Hilfe von Ultraschall und ggf. Fluoroskopie überwacht. Die komplette Behandlungsdauer beträgt ca. 50 – 70 Minuten.
  • Nach der Behandlung kann der Patient üblicherweise die Klinik verlassen und schon nach wenigen Tagen seine gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen.
  • Iod-125 hat eine kurze Halbwertzeit und gibt radioaktive Strahlung somit nur für eine bestimmte Zeit ab. Da es sich um relativ niedrige Energie handelt, ist das Strahlenrisiko außerhalb des Körpers sehr klein.

Seed-Implantationsfilm (DE)

Im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden können bei einer Seed-Implantation jedoch folgende Vorteile festgestellt werden:

  • Eine schnellere körperliche Genesung nach dem Eingriff, u.a. Mobilität am Tag nach der Implantation und somit eine schnelle Rückkehr in den gewohnten Alltag
  • Ein kurzer Krankenhausaufenthalt (oft auch nur ein ambulanter Eingriff)
  • Kurze Behandlungszeiten (eine Behandlungseinheit mit einer Gesamtdauer von ca. 50 – 70 Minuten für die Implantation)
  • Eine bessere Erhaltung der Harnkontinenz, der erektilen Funktion sowie der Darmfunktion

Behandlungsoption 2: Aktive Überwachung
Prostatakrebs wächst oft mit sehr langsamer Geschwindigkeit. Deswegen ziehen es Ärzte manchmal vor, statt eines sofortigen Behandlungseingriffs den Tumor in regelmäßigen Abständen zu beobachten. Diese Methode wird bei einer Niedrig-Risiko Befundkonstellation oder bei Senioren mit schwächerem Gesundheitszustand angewandt, um einen chirurgischen oder hormonellen Eingriff zunächst zu vermeiden. Bei zunehmender Verschlechterung des Befundes, kann eine Therapie begonnen werden.

Behandlungsoption 3: Radikale Prostatektomie
Bei einer radikalen Prostatektomie werden die Prostata, die Samenbläschen sowie die Organ-spezifischen Lymphknoten operativ entfernt. Diese Behandlung kann bei Tumoren niedrigen, mittleren oder hohen Risikos angewendet werden und wird stationär durchgeführt.

Behandlungsoption 4: Hormontherapie
Die Hormonbehandlung führt zu einer verminderten Erzeugung von Testosteron (dem männlichen Sexualhormon) und damit einem verlangsamten Wachstum des Prostatakrebses. Diese Behandlung führt nicht zu einer dauerhaften Heilung des Prostatakrebses.

Behandlungsoption 5: Externe Strahlentherapie
Bei einer externen Strahlentherapie wirkt die Strahlung von außen auf den Körper des Patienten ein. Krebszellen reagieren anfälliger auf Bestrahlung als gesunde Zellen und werden somit zerstört. Zwei verschiedene Formen externer Strahlentherapie werden angewendet:

  1. Bei der häufigsten Form der externen Strahlentherapie, wird mit Hilfe eines sogenannten Linearbeschleunigers hochenergetische Strahlung auf das tumoröse Gewebe gerichtet. Die Bestrahlung wird dabei in täglichen Fraktionen (Behandlungseinheiten) über ca. sechs bis sieben Wochen appliziert und bedingt damit häufige Krankenhausbesuche.
  2. Bei der Protonentherapie werden Protonenstrahlen erzeugt und gezielt auf den Tumor „geschossen“, wobei der größte Teil der Energie im Tumorherd abgegeben wird. Diese Behandlungsmethode wird in mehr als 20 Fraktionen durchgeführt. 

Behandlungsoption 6: HDR-Brachytherapie
Bei Prostatakrebs, der diagnostiziert wird, bevor er sich außerhalb der Prostata ausgebreitet hat und dessen Tumorstadium T1 oder T2 ist, wird die HDR-Brachytherapie immer mehr zur Behandlung der Wahl. Es kann als einzige Behandlung (als HDR-Monotherapie bezeichnet) oder in Kombination mit einer externen Strahlentherapie angewendet werden. Es wurde festgestellt, dass die HDR-Brachytherapie in nahezu allen Stadien des lokalisierten Prostatakrebses hochwirksam ist.

Die HDR-Brachytherapie wird unter Narkose in einer speziellen Bestrahlungssuite durchgeführt. Abhängig von der Größe des Tumors wird eine Reihe langer Nadeln mithilfe einer Schablone in die Prostata eingeführt.

Die genaue Platzierung der Nadeln wurde mit einer fortschrittlichen Spezialsoftware berechnet. Während des Eingriffs kann der Arzt eine transrektale Ultraschallsonde verwenden, um eine genaue Nadelplatzierung sicherzustellen. Nach Abschluss jeder HDR-Behandlung werden die Nadeln entfernt.

Die wichtigsten Vorteile der HDR-Brachytherapie bei Prostatakrebs sind:

  • Kurze Behandlungsdauer (nur ein bis zwei Eingriffe).
  • Genaue Kenntnis der Strahlendosisverteilung vor der Behandlung.
  • Hohe Genauigkeit und Präzision der tumorspezifischen Strahlendosisabgabe.
  • Optimale Gleichmäßigkeit der Strahlendosis über den Tumor (Fehlen von Regionen mit niedriger Dosis / „kalten“ Stellen).
  • Erhaltung der Struktur und Funktion anderer (benachbarter) Organe.
  • Nur wenige kurz- und langfristige Nebenwirkungen aufgrund einer gezielten Therapie.
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